Achtsamkeit für Führungskräfte

Das Thema Achtsamkeit hat sich inzwischen fest auf dem Markt für Führungskräfte-Coaching etabliert. Aber wie genau lässt sich Achtsamkeit im Alltag einer Führungskraft tatsächlich einbringen und nutzenstiftend anwenden?


In unserem heutigen Beitrag möchten wir das Thema Achtsamkeit konkret an fünf Themen aus der Führungskräfte-Praxis veranschaulichen.


Kommunikation


Das Praktizieren von Achtsamkeit in der Kommunikation ist besonders anspruchsvoll, da Führungskräfte naturgemäss sehr viel, mit unterschiedlichsten Gesprächspartnern und auf zahlreichen Kanälen kommunizieren. Für eine gute Kommunikation ist Achtsamkeit gleich in zweierlei Hinsicht wichtig: für das Senden der eigenen Botschaft ebenso wie für das Empfangen und Verstehen anderer. Je besser eine kommunizierte Botschaft auf das vorhandene Vokabular, Vorwissen, den Kontext, die Bedürfnisse und Gewohnheiten sowie auf die emotionale Befindlichkeit eines individuellen Kommunikationspartners abgestimmt ist, desto grösser ist die Erfolgswahrscheinlichkeit der Kommunikation. Das gleiche gilt natürlich auch für das Verstehen einer empfangenen Botschaft, bei der ein achtsamer Kommunikator die gleichen Aspekte wahrnimmt und bei der Interpretation berücksichtigt.


Gerade weil Kommunikation so vielen unterschiedlichen Einflussfaktoren unterworfen ist und gesendete Botschaften auf entsprechend vielfältige Art gefiltert und interpretiert werden können, ist die Kombination von Achtsamkeit und Kommunikation eine der herausforderndsten Disziplinen für Führungskräfte.


Role Model


Wie genau funktioniert die Vorbildfunktion? Diese Frage lässt sich sicher nicht pauschal beantworten, dafür hängt sie viel zu stark von Faktoren wie der Branche oder dem sozialen Kontext ab. Was in einem Unternehmen als Tugend und wünschenswertes Verhalten wahrgenommen und akzeptiert wird, kann in einem anderen Unternehmen als Schwäche oder Laster angesehen werden. Entsprechend ist der Aufbau und das Ausleben einer Vorbildrolle ein Prozess, der durch ein hohes Mass an Achtsamkeit, Rückmeldung und der Bereitschaft zur kontinuierlichen Verbesserung betrieben und gefördert wird. Eine gute Führungskraft registriert - achtsam -, welche Verhaltens- und Kommunikationsweisen innerhalb des geltenden Wertesystems akzeptiert und geschätzt werden. Die konsequente und authentische Umsetzung dieser Werte in Form konkreter Handlungen und Umgangsformen festigt die Position und Glaubwürdigkeit einer Führungskraft und inspiriert darüber hinaus auch die Mitarbeiter, sich entsprechende Verhaltensweisen anzueignen. Auf diese Weise trägt die Führungskraft zum Aufbau einer Kultur bei, die ihren Namen auch verdient.


Wahrnehmung und Anerkennung


Menschen werden gerne wahrgenommen. Für die meisten ist es ein Grundbedürfnis, von ihren Mitmenschen gesehen und wahrgenommen zu werden, entsprechend gibt es nur wenige Dinge, die so sehr kränken und verletzen können wie Missachtung. Die Kunst, andere Menschen wahrzunehmen - wirklich wahrzunehmen - leitet sich unmittelbar aus der Fähigkeit zur Achtsamkeit ab. Und andere Menschen wahrzunehmen wiederum ist eine Voraussetzung dafür, um echte (und glaubwürdige) Anerkennung und Wertschätzung auszusprechen.


Achtsame Führungskräfte registrieren und bedienen das Bedürfnis ihrer Mitarbeiter nach Aufmerksamkeit, Zuspruch und Anerkennung. Und sie bieten weitaus mehr als standardisiertes und oberflächliches Lob von der Stange, sondern setzen sich mit den Leistungen, Stärken und Errungenschaften ihrer Mitarbeiter differenziert auseinander.


Führungskräfte, die Achtsamkeit auf diese Weise praktizieren, trainieren dabei gleichzeitig ihre kognitiven Fähigkeiten sowie ihre Empathie, wodurch eine ganz andere Qualität von Arbeitsbeziehung entsteht.


Demut


Die Kontrolle des eigenen Egos stellt für Führungskräfte eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Bis heute wird ein grosses Ego gerne mit Stärke verwechselt, aber dies greift ebenso kurz, wie Demut mit Schwäche oder mangelndem Selbstvertrauen gleichzusetzen. Laut Ken Blanchard bedeutet Demut nicht, geringer von sich selbst, sondern lediglich weniger an sich selbst zu denken.


Achtsamkeit hilft Führungskräften nicht nur dabei, die eigenen Stärken und Schwächen zu ergründen, sondern diese auch anzuerkennen. Die so gewonnene Klarheit macht es Führungskräften sehr viel leichter, bei Bedarf auch mal um Hilfe zu bitten bzw. angebotene Unterstützung anzunehmen, ohne dass ihnen dabei Stolz oder Scham im Wege stehen. Demütig zu führen bedeutet auch, dass Führungskräfte offen mit Feedback, Anregungen und Kritik umgehen und nicht der Versuchung erliegen, reflexhaft Schuldige im Aussen zu suchen, sobald Probleme und Konflikte auftreten. Auf diese Weise fördert Achtsamkeit auch die Wahrnemung und Anerkennung der eigenen Verantwortung.


Stressmanagement


Natürlich leistet Achtsamkeit auch exzellente Dienste bei der Wahrnehmung und Bewältigung des alltäglichen Stresses, dem Führungskräfte in der Regel besonders intensiv ausgesetzt sind. Die achtsame Wahrnehmung des eigenen körperlichen und geistigen Zustands - zum Beispiel in Form eines Bodyscans oder einer Meditation -, die optimale Nutzung von Zeit- und Energiereserven, das sorgsame Abwägen von Aufgaben und Prioritäten sowie das Registrieren und Anerkennen der eigenen emotionalen Befindlichkeit sind Grundvoraussetzungen für den optimalen Einsatz der verfügbaren Ressourcen, für das Treffen guter Entscheidungen, aber auch für das Praktizieren von Selbstfürsorge, um Burnout, Erschöpfung und anderen Belastungsfolgen wirksam vorzubeugen.


Fazit


Achtsamkeit ist weit mehr als nur ein Werkzeug. Wie die genannten Beispiele zeigen, gibt es zahlreiche praktische Themen- und Anwendungsbereiche - nicht nur für Führungskräfte -, die von einer regelmässigen Achtsamkeitspraxis spürbar und nachhaltig profitieren können.


Weinberger & Künzler unterstützt Sie dabei, die Achtsamkeits-Potenziale Ihrer Kader- und Führungskräfte sowie ihrer Teams und Mitarbeiter zu erkennen, zu trainieren und zu einem festen Bestandteil ihrer Unternehmens- und Arbeitskultur zu machen.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.


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